amnis_a.jpgamnis_b.jpgamnis_c.jpgamnis_d.jpgamnis_e.jpgamnis_f.jpgamnis_g.jpgamnis_h.jpgamnis_i.jpgamnis_k.jpgamnis_l.jpgamnis_m.jpg

NOVEMBER-Tipp 2013: Sensation Seeking

Endlich wieder Schnee! Gehörst du zu denjenigen Menschen, die gerne auf Skitouren gehen und Adrenalin-Abfahrten in unberührtem Pulver mögen? Wählst du beim Skifahren ab und zu mal eine Variante abseits der markierten Piste, weil du gerne neue Wege begehst? Oder ziehst du die Sicherheit auf einer gut abgesteckten Piste vor? Ist dir der Skisport sowieso zu risikobehaftet und machst du lieber etwas weniger Gefährliches im Winter?

Menschen unterscheiden sich in ihrer Ausprägung in risikoreichem Sportverhalten – einige neigen dazu, andere gar nicht. Wie kommt das? Bringt das eine Vorteile und das andere Nachteile? Lässt sich das verändern oder trainieren?

Die aktuelle Forschung zeigt, dass ein beträchtlicher Anteil von risikoreichem Sportverhalten in der Persönlichkeit liegt und somit über die Jahre hinweg stabil bleibt. In der Fachsprache wird das Sensation Seeking (SS) genannt. Wer ein Sensation Seeker ist, will seine körperliche Aktivierung heraufregulieren und hat ein chronisches Bedürfnis nach neuen Reizen, um ein optimales Erregungsniveau zu erreichen. Gemäss Definition (Zuckermann, 1994) ist Sensation Seeking die Tendenz, vielfältige, neue, komplexe und intensive Erfahrungen zu machen und die Bereitschaft, für diese Erfahrungen physische, soziale, legale und finanzielle Risiken einzugehen.

 

Ist Sensation Seeking gut oder schlecht? 

Sensation Seeker haben wohl den Vorteil, dass sie generell mehr wagen, extrovertierter sind und sich auf neue Erfahrungen einlassen. Es gehört oft zum Bild eines Athleten, dass er offensiv auf unbekannte Situationen zugeht. Dies führt dazu, dass Athleten, die keine Sensation Seeker sind, versuchen, ein dementsprechendes Verhalten an den Tag zu legen.

Jedoch birgt eine hohe Ausprägung in SS auch gewisse Gefahren: Studien konnten zeigen, dass Sensation Seeker Risiken als weniger risikoreich einschätzen. Ihre subjektive Wahrnehmung ist somit verzerrt, was zu riskanten Entscheidungen führen kann. Zudem sind Sensation Seeker bei der Risikowahrnehmung weniger ängstlich. Sie verhalten sich risikoreicher und neigen zu Risikosport, aber auch zu Substanzmissbrauch oder zum Beispiel riskantem Fahrstil.

 

Bist du ein Sensation Seeker?

Eine Subskala von SS ist die Thrill and Adventure Seeking Scale, welche die Suche nach Spannung und Abenteuer durch riskante und aufregende Tätigkeiten wie gefährliche Sportarten beschreibt. Finde heraus, wie viel SS in dir steckt:

In der Tabelle findest du immer zwei nebeneinanderstehende Aussagen (A und B). Bitte lies zuerst beide Aussagen durch und entscheide dann, welche der Aussagen am ehesten auf dich zutrifft. Kreuze dazu das entsprechende Kästchen neben der Aussage an, die für dich zutrifft.

Es kann vorkommen, dass einmal keine der beiden, oder beide Aussagen auf dich zutreffen. Entscheide dich trotzdem immer für eine Antwortalternative!

Nr.

Aussage A

Antwort

Aussage B

1

Ich wünsche mir oft, ich könnte ein Bergsteiger sein.

Ich kann Menschen, die ihren Hals beim Bergsteigen riskieren, nicht verstehen.

2

Eine vernünftige Person vermeidet Aktivitäten, die gefährlich sind.

Ich mache manchmal gern Dinge, die ein bisschen angsteinflössend sind.

3

Ich würde gerne lernen, Wasserski zu laufen.

Ich möchte nicht lernen, Wasserski zu laufen.    

4

Ich würde gerne versuchen zu surfen (Wellenreiten).

Ich würde nicht gern versuchen zu surfen.

5

Ich möchte nicht gern lernen, ein Flugzeug zu fliegen.

Ich würde gern lernen, ein Flugzeug zu fliegen.

6

Tauchen ist nichts für mich.

Ich würde gerne einmal Tiefseetauchen.

7

Ich würde gerne einmal versuchen, Fallschirm zu springen.

Ich würde nie aus einem Flugzeug springen, ob mit oder ohne Fallschirm.

8

Ich würde gerne einmal von einem hohen Sprungturm springen.

Ich habe Angst, von hohen Sprungtürmen zu springen.

9

Weite Entfernungen in einem Segelboot zu segeln, ist grosser Leichtsinn.

Ich würde gerne mit einem kleinen, aber seetüchtigen Boot über eine weite Strecke segeln.

10

Einen hohen Berg mit Skiern hinunter zu fahren ist ein guter Weg, um auf Krücken zu enden.

Es macht mir Spass, eine schnelle Skiabfahrt von einem hohen Berg zu machen.

Auswertung: Summiere die Items aus A und B einzeln auf. Die Nummern 2, 5, 6, 9 und 10 musst du umkodieren, d.h. zum jeweils anderen Buchstaben zählen.

Hast du 7-10 Mal die A gewählt, bist du ein starker Sensation Seeker. Hast du hingegen 0-3 Mal die A gewählt, ist dein Bedürfnis nach Sensation Seeking sehr gering.

 

Lässt sich SS verändern oder trainieren? – Hard Facts:

1) Als Persönlichkeitsmerkmal ist SS zu einem grossen Teil genetisch determiniert – und somit nur bedingt veränderbar oder trainierbar.

2) Generell nimmt SS mit dem Alter ab. Auch das ist ein stabiler Befund.

3) Ein vermindertes Vorkommen des Enzyms Monoaminoxidase (baut Neurotransmitter ab, die zu den Katecholaminen gehören, also z.B. Noradrenalin) geht mit erhöhter motorischer Aktivität und antisozialem Verhalten einher, was wiederum mit SS in Verbindung steht. Dies ist ebenfalls stabil, gewissen Menschen eine höhere, gewisse eine tiefere Konzentration von diesem Hormon.

4) Auch die männlichen Sexualhormone verringern die Konzentration dieses Enzyms, darum haben Männer tendenziell höhere Werte in SS als Frauen.

5) Es gibt aber einige wenige, leicht veränderbare Faktoren: SS kann nämlich teilweise aus der Situation heraus entstehen. Hatte man beispielsweise einen unerfreulichen Tag, aus irgendeinem Grund schlechte Laune oder negative Emotionen, kann es sein, dass man mit mehr Risiko Sport betreibt, um diesen negativen Affekt herabregulieren zu können.

6) Auf der Suche nach einem optimalen Zustand (z.B. Flow, siehe Monatstipp Mai) kann ein gewisses Risiko als „Nebenwirkung“ in Kauf genommen werden, auch wenn man kein starker Sensation Seeker ist. Dieser Faktor ist ebenfalls eher instabil und liegt nicht in der Persönlichkeit.

 

Wichtig ist dabei, dass zwischen Bequemlichkeit und tieferem Bedürfnis nach SS unterschieden wird: Wenn du dir das nächste Mal also ein wenig mehr Mumm oder Risikobereitschaft wünschst, frage dich, was dich jetzt bremst. Bist du einfach zu bequem, um deine Komfortzone zu verlassen? Dann gib dir einen Ruck und wage dich hinaus in die Lernzone. Siehe dazu auch unser März-Tipp zu den Implementierungsintentionen.

Oder ist es wirklich so, dass du eher tiefe Werte im Sensation Seeking hast und dir das jetzt ein wenig zu viel Abenteuer und Risiko ist? Dann bleibe getrost dort, wo du dich noch wohl fühlst.

copyright by amnis-motivationsfabrik 2012-2013